Berlin - Die Einstufung als rechtsextremistischer Verdachtsfall wird für die AfD nach Einschätzung von Forsa-Chef Manfred Güllner keine großen Stimmeneinbußen zur Folge haben. "Ich glaube nicht, dass die Entscheidung des Verfassungsschutzes die Zahl der AfD-Wähler signifikant dezimieren wird", sagte Güllner der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Denn der Kern der AfD-Wähler bestehe aus hartgesottenen Rechtsradikalen. "Das sind diejenigen, die früher NPD oder DVU gewählt haben", sagte Güllner. Die zweite große Wählergruppe komme aus dem Bereich der Nichtwähler, die aus Ablehnung des politischen Systems lange nicht gewählt hätten. Diese großen Gruppen würden ihre Stimme weiterhin der Partei geben und sich nicht von der Entscheidung des Verfassungsschutzes beeindrucken lassen.

Andere Wähler seien bereits abgewandert, sodass das Potenzial der AfD unterm Strich stabil bliebe. Der Forsa-Chef glaubt auch nicht an einen Kurswechsel der Partei, wie ihr Vorsitzender Jörg Meuthen ihn anstrebt. "Eine solche Kursänderung würde die AfD des Kerns ihrer Wähler berauben und deutlich dezimieren. Nicht nur die Partei ist rechtsradikal und völkisch, auch die meisten ihrer Wähler sind es", argumentiert Güllner.

Immer nur von Protestwählern zu sprechen, treffe die Sache daher nicht. Wenn Wähler von der AfD abwandern, dann aktuell wohl am ehesten in Richtung der FDP, da gebe es eine sichtbare Bewegung, so Güllner weiter. Er betonte, es gebe teilweise übereinstimmende Einschätzungen zum Beispiel in der Kritik an der Corona-Politik.

Foto: AfD-Plakat (über dts Nachrichtenagentur)