Berlin - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will den Ausstieg aus dem Lockdown nicht nur am Inzidenzwert 35, sondern an regionalen Bedingungen ausrichten. Es sei "falsch, diese Pandemie oder die Infektionsdynamik pauschal auf eine Zahl zu reduzieren", sagte Spahn "Zeit-Online".

Bei der Inzidenz etwa sollte man genauer und auch regionaler schauen: "Sinken die Zahlen gerade oder steigen sie? Sind die Zahlen auf einen konkret definierbaren Infektionsausbruch zurückzuführen, den wir klar abgrenzen und bekämpfen können, oder handelt es sich um ein diffuses Infektionsgeschehen, bei dem Menschen nicht mehr wissen, wo sie sich infiziert haben? Sind vor allem Ältere oder eher Jüngere infiziert?" Im Herbst sei es wichtig gewesen, wegen der hohen Infektionszahlen bundeseinheitlich zu handeln, so Spahn. Er sei bei den nun anstehenden Lockerungsplänen "immer noch dafür, die 35 bundesweit als Richtwert zu nehmen - aber zusätzliche Variablen zu betrachten". Er wünsche sich ein "dynamischeres Vorgehen", fügte der Minister hinzu: "Das kann bedeuten, lokal zu öffnen, aber eben auch wieder zu verschärfen, wenn es sein muss." Ein Positivbeispiel sei da das Land Schleswig-Holstein.

Spahn verteidigte CDU-Chef Armin Laschet gegen Kritik, dieser wolle sich als "Corona-Lockerer" profilieren: "Ich habe Armin Laschet seit Beginn der Pandemie als jemanden wahrgenommen, dem es wichtig ist, das ganze Bild zu sehen. Da sind wir uns unbedingt einig." Gesundheits- und Infektionsschutz sei "prioritär, aber nicht absolut". Isolation habe Folgen für Kinder oder Senioren, der Lockdown treffe die Wirtschaft.

Angesprochen auf den strikteren Kurs von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte Spahn: "Es geht in dieser Pandemie nicht um absolute Wahrheiten oder Automatismen, sondern um schwierige Abwägungen."

Foto: Menschen mit Schutzmaske (über dts Nachrichtenagentur)