Berlin - Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat davor gewarnt, Familien mit den neuen Ein-Freund-Kontaktbeschränkungen zu überfordern. Es sei richtig, dass Bund und Länder den Lockdown verlängert und die Maßnahmen verschärft hätten, "wichtig ist aber, dass die Maßnahmen in der Lebensrealität der Menschen auch umsetzbar sind", sagte Baerbock den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben).

So werde die Regel, nur noch eine Person außerhalb des eigenen Haushaltes zu treffen, Familien vor erhebliche Probleme stellen. "Wenn die Nachbarin bei sich zu Hause nur eins von zwei Geschwisterkindern betreuen kann, während die Eltern arbeiten, ist das alles andere als sinnvoll. Dann müssen Eltern ihre Kinder in die Notbetreuung schicken, obwohl es zur Kontaktreduzierung anders viel besser wäre", sagte Baerbock, die Mutter von zwei Kindern ist. Die Politik müsse bedenken, dass sie mit nicht zu Ende gedachten Maßnahmen ausgerechnet diejenigen Familien vor den Kopf stoße, "die sich mit heftigsten Einschränkungen bei Vereinbarkeit von Job und Familie an der Pandemiebekämpfung bisher am solidarischsten beteiligen".

Für Alleinerziehende sei die Ein-Freund-Regel überhaupt nicht umsetzbar: "Sie sind völlig auf sich zurückgeworfen", kritisierte Baerbock. "Ebenso kleine Kinder, die damit für Wochen komplett isoliert sind, weil eine Dreijährige sich schlecht allein auf dem Spielplatz treffen kann." Die Grünen-Vorsitzende vermisst im jüngsten Beschluss von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten außerdem verbindliche Home-Office-Vorgaben für die Wirtschaft: "Es passt doch nicht, wenn man weiterhin dutzende Menschen in einem Großraumbüro am Arbeitsplatz trifft, die beiden Kinder aber nicht zusammen zum Babysitter können."

Foto: Spielendes Kind (über dts Nachrichtenagentur)