Mainz - Nach der Zulassung des weltweit ersten Corona-Impfstoffs hat Mehrheitseigner Thomas Strüngmann einen ambitionierten Wachstumsplan für Biontech aufgestellt. Im "Manager Magazin" schildert der Hauptinvestor, wie "Schritt für Schritt" aus dem Mainzer Biotech-Unternehmen ein eigenständiger, forschender Pharmakonzern entstehen soll. Mit dem Impfstoff habe Biontech "die Schlagkraft der neuen mRNA-Technologie" gezeigt, so Strüngmann.

Damit sei sein Wunsch, ein hochinnovatives Unternehmen zu entwickeln, schneller in Erfüllung gegangen als er gedacht habe. Trotz der Wertsteigerung an der Börse will er das Unternehmen nicht verkaufen. "Jeder in der Branche weiß, dass wir mit Biontech erst am Anfang stehen. Unsere Strategie ist, erst einmal das Unternehmen aufzubauen, nicht zu verkaufen", sagte er dem Magazin. Auch langfristig sei keine Verwertung geplant.

Die Biontech-Plattform könne und werde noch sehr viel mehr leisten als die schnelle Entwicklung eines Covid-Impfstoffs, sagte Strüngmann weiter. Die neuen Möglichkeiten zeigten sich etwa in de neusten Studienergebnisse bei Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose. Der Hauptfokus des Unternehmens blieben auch in Zukunft die Krebstherapien sowie Infektionskrankheiten. Biontech-Aufsichtsratschef Helmut Jeggle sagte unterdessen dem "Manager Magazin", dass das Unternehmen "das erklärte Ziel" habe, in Zukunft eigene Medikamente "zu entwickeln, zu produzieren und zu vermarkten". Zunächst werde etwa die Hälfte der Produkte aus der firmeneigenen Pipeline zu 100 Prozent selbst weiterentwickelt, die andere Hälfte gemeinsam mit Partnern. Die Covid-Impfung hat Biontech zwar gemeinsam mit dem US-Konzern Pfizer getestet und produziert.

Das Mittel bleibt aber vollständig ein Biontech-Produkt, welches in Deutschland auch selbst kommerzialisiert werden soll. Vertrieb und Marketing werde derzeit aufgebaut, so Jeggle. Die Produktion in Marburg laufe planmäßig in den nächsten Wochen an. Angesprochen auf die von Pfizer angekündigten Lieferverzögerungen sagte Jeggle, Biontech werde "alles tun", um die vertraglich vereinbarten Mengen des Impfstoffs im ersten Quartal auch tatsächlich auszuliefern. Eine Vorratshaltung, bei der manche Länder die Hälfte des Impfstoffs für die zweite Impfung auf Halde legten, sei deshalb nicht nötig - auch wenn es, "wie jetzt gerade im belgischen Werk in Puurs, mal ein, zwei Wochen ruckelt".

Foto: Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer (über dts Nachrichtenagentur)