Berlin - Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht derzeit keine Notwendigkeit für einen bundesweiten härteren Lockdown gegen die dritte Corona-Welle. "Würden die Länder die Notbremse konsequent umsetzen, wären dies geeignete Maßnahmen, um einen Gesundheitsnotstand abzuwenden", sagte Gerald Gaß, ab Donnerstag Vorstandsvorsitzender der DKG, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwochausgabe).

"Wir erwarten von der Politik, dass im Notfall bei steigenden Inzidenzen die vereinbarte Notbremse gezogen wird." Zwar sei die dritte Welle in den Krankenhäusern angekommen, so Gaß. "Mittelfristig müssen wir damit rechnen, dass wir auch den Höchststand an Intensivpatienten von Anfang des Jahres wieder erreichen. Trotzdem gibt es auch positive Nachrichten", so der künftige DKG-Chef.

Man habe zurzeit weniger Neueinweisungen von Covid-Patienten als bei gleichen Inzidenzwerten während der zweiten Welle. "Das bedeutet, die Impfung zeigt Wirkung." Ein weiterer positiver Effekt sei, dass die Beschäftigten in den Krankenhäusern, die zur Prioritätsgruppe eins und zwei gehören, überwiegend durch die erfolgten Impfungen geschützt seien. "Wir rechnen deshalb damit, dass wir in der dritten Welle weniger stark von Quarantänemaßnahmen und einem Infektionsgeschehen unter der Mitarbeiterschaft betroffen sein werden."

Die Krankenhäuser seien noch "gut in der Lage", die Versorgung aufrechtzuerhalten. Aber es dürfe nicht verkannt werden, "dass wir seit mittlerweile einem Jahr in einer Ausnahmesituation in den Kliniken sind" und die Belastung der Mitarbeiter extrem hoch ist. Angesichts der Impfstoffknappheit forderte Gaß, die Zweitimpfung aufzuschieben. "Impfen ist das Mittel, um die dritte Welle zu brechen."

Deshalb müsse man so viele Menschen wie möglich mit der Erstimpfung versorgen. "Das heißt, der Zeitraum bis zur Zweitimpfung sollte maximal ausgeschöpft werden", sagte der künftige DKG-Chef. "Das wäre eine Möglichkeit, Krankenhäuser deutlich zu entlasten, denn insbesondere die besonders gefährdeten Personengruppen können so bereits vor schweren Verläufen geschützt werden." Die Bundesländer müssten mit allen Mitteln versuchen, jetzt Erstimpfungen durchzuführen.

Foto: Sitzbänke mit Corona-Abstandshinweis im Krankenhaus (über dts Nachrichtenagentur)