Berlin - Patientenschützer kritisieren die von Bund und Ländern beschlossene Lockerung der Impfreihenfolge in den Hausarztpraxen. Wenn jetzt "auf mehr Flexibilität, weniger Starrheit und vorgezogene Impfungen in Hotspots" gesetzt werde, werde damit "die lebensrettende Impfpriorisierung für die Schwächsten zu Grabe getragen", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagausgaben).

Die Einbeziehung der Hausarztpraxen könne zu einer Verschärfung der Ungleichbehandlung führen. "Deswegen muss fest geregelt werden, dass die Hausärzte in den nächsten Monaten allein den über 70-Jährigen ein Impfangebot machen dürfen", sagte Brysch. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) müsse dies verbindlich klarstellen. Der Stiftungsvorstand fuhr fort, es sei von Anfang an falsch gewesen, Menschen der Hochrisikogruppe bei der Impfreihenfolge auf die gleiche Stufe zu stellen wie Angehörige bestimmter Berufsgruppen.

Dies habe dazu geführt, dass inzwischen bereits Berufe der zweiten und dritten Prioritätsstufe geimpft seien, "doch 2,6 Millionen hochbetagte Menschen bleiben weiterhin dem Virus schutzlos ausgeliefert". Das sei knapp die Hälfte der Betroffenen, sagte Brysch den Funke-Zeitungen. Die Bundesregierung habe im Februar jedoch ihr Wort gegeben, "alle über 80-Jährigen bis Ende März mit zwei Impfangeboten zu versorgen. Obwohl ihr Risiko für Leib und Leben 600 Mal höher ist als für 30-Jährige, steht die Hochriskogruppe weiter hinten an", kritisierte Brysch.

Foto: Seniorin mit Mundschutz und Einkaufstüte (über dts Nachrichtenagentur)