Berlin - Der scheidende Vorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, hat unmittelbar vor dem Digitalparteitag und dem Ende seiner Amtszeit eine kritische Bilanz der Auseinandersetzungen mit der ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht gezogen. "Das war ein uns aufgezwungener Machtkampf, den wir gar nicht führen wollten", sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Freitagausgaben).

"Und es war eine wirklich schwere Zeit, die immer noch Spuren hinterlässt." Zugleich sei er "stolz darauf, dass wir das lösen konnten", fügte Riexinger hinzu. So habe der Parteitag in Leipzig 2018 klar und deutlich für eine offene Flüchtlingspolitik votiert und Wagenknechts restriktivem Kurs eine Absage erteilt. Neben der Flüchtlingspolitik ging es um die Haltung zur Europäischen Union, die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl 2017 sowie die von Wagenknecht initiierte Sammlungsbewegung "Aufstehen". Insgesamt bewertete der 65-Jährige seine fast neunjährige Amtszeit mit der Co-Vorsitzenden Katja Kipping positiv. "Wir haben die Partei in einer sehr schweren Krise übernommen, und wir haben sie einen und ihr neuen Schwung geben können", sagte Riexinger dem RND. "Denn viele haben damals nicht mehr auf uns gewettet." Heute sei "in der Gesellschaft allgemein anerkannt, dass es eine sozialistische Partei links von der SPD gibt". Deren rund 60.000 Mitglieder seien im Schnitt jünger und vielfältiger als vor bald neun Jahren. Zudem sei die Linke bewegungs- und kampagnenorientierter geworden und streite nicht mehr allein für soziale Gerechtigkeit, sondern auch für Klimaschutz. "Wir haben unser Milieu erweitert." Riexinger sagte mit Blick auf die Parteizentrale: "Ich bin hier gern rein gegangen, und ich habe mich immer wohl gefühlt. Die letzten Tage gehen doch ein bisschen ans Gemüt."

Foto: Bernd Riexinger (über dts Nachrichtenagentur)