Berlin - Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), fordert, dass der Staat alles tun muss, um die Produktionskapazitäten schnell zu vergrößern. "Ich könnte mir sogar vorstellen, dass der Staat jetzt noch selbst solche Produktionsstätten aufbaut, die er zwei Jahre später wieder versteigern könnte", sagte Hüther dem "Handelsblatt".

Ifo-Präsident Clemens Fuest warte unterdessen vor zu frühen Lockerungen des derzeitigen Lockdowns. "Ich befürchte, dass jetzt, sobald wir uns der 50er-Inzidenz annähern, sofort wieder Öffnungen kommen", sagte der Ökonom dem "Handelsblatt". Dies könnte in wenigen Wochen zur dritten Corona-Welle und in der Folge zum nächsten Lockdown führen. "Das ist wirtschaftlich ineffizient. Deshalb unterstütze ich die Forderungen von `No Covid`, erst dann Beschränkungen aufzuheben, wenn die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen unter zehn gesunken ist."

Hüther, der auch Mitglied im NRW-Expertenrat um den Virologen Hendrik Streeck ist, widerspricht Fuest heftig. "Ich bezweifle, dass die Inzidenzzahl wirklich so relevant ist, da wir über die Dunkelziffer nichts wissen. Da sind wir im Blindflug unterwegs", sagte er.

Viel bedeutsamer sei die Auslastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern. "`No Covid` verspricht, dass eine Realität ohne Covid möglich wäre. Das bezweifle ich. Man sieht ja bei der Influenza, dass man sie nicht eliminieren kann", sagte er im Streitgespräch mit Fuest.

Foto: Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer (über dts Nachrichtenagentur)