Berlin - Der frühere Chef der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, rechnet nicht damit, dass die nach der Wahl im September gebildete neue Bundesregierung das Rentenalter heraufsetzen wird. Das sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe).

Er habe vom früheren SPD-Kanzler Helmut Schmidt gelernt, dass, "jedem gestaltenden Schritt in der Politik ein Mehrheiten beschaffender Prozess vorausgehen muss", sagte der Ökonom. Er saß in mehreren Regierungskommissionen zu Rentenfragen. Er glaube "angesichts des bereits jetzt recht hohen und weiter steigenden Alters der Wahlberechtigten" nicht, "dass es in der nächsten Legislaturperiode eine Mehrheit dafür gibt, das Renteneintrittsalter weiter anzuheben. Zumal die gesetzliche Altersgrenze von vollen 67 Jahren erst ab 2031 gelten wird." Wahrscheinlich sei vielmehr, "dass man den Finanzierungsmix der gesetzlichen Rente verändert, indem man den Steueranteil etwas weiter erhöht", so der Ex-Wirtschaftsweise. Dies hätte "auch zur Folge, dass die Rentner indirekt an der Finanzierung beteiligt würden". Denn auch Rentenempfänger trügen "einen beachtlichen Anteil zum Steueraufkommen" bei, so Rürup. "Ich denke, dass man diesen Weg weiter gehen wird." Der Bundeszuschuss zur gesetzlichen Rentenkasse lag zuletzt bei 108 Milliarden Euro jährlich. Zu einem Gutachten für das Bundeswirtschaftsministerium, in dem unlängst etliche Ökonomen empfohlen hatten, das Rentenalter weiter heraufzusetzen, sagte Rürup: "Alles, was die Kollegen in ihrem Gutachten gerechnet haben, ist richtig. Leider haben sie vergessen, dass Rentenpolitik immer Verteilungspolitik ist und Mathematik keine Politik ersetzt."

Foto: Alter Mann und junge Frau (über dts Nachrichtenagentur)

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