Berlin - Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut, Thomas Mertens, hat vor einer zu schnellen Aufhebung der Impf-Priorisierung gewarnt. Er befürchte schwere Erkrankungen und sogar Todesfälle, sagte Mertens der RTL/n-tv-Redaktion.

"Das Problem ist, dass es passieren kann, dass Menschen zurückbleiben, die wirklich ein sehr hohes Risiko für schwere Erkrankungen, für intensivpflichtige Therapien und Tod haben, und das ist das, was wir eigentlich vermeiden wollen." Wenn der immer noch knappe Impfstoff sehr breit ausgeben wird, könne das dazu führen, dass Menschen, die schon längere Zeit auf ihre Impfung gewartet haben, weiter nach hinten geschoben werden. "Das findet ja auch de facto schon statt." Und das sei ein Problem.

"Zunächst wollen wir ja verhindern, dass Menschen schwer erkranken und sterben." Dass in den Alten- und Pflegeheimen praktisch keine Todesfälle mehr vorkommen, sei ein Erfolg dieser Priorisierungsimpfung. "Und die möchte ich nicht gefährdet sehen, indem man jetzt einen Impfstoff mit dem Herdenimmunitätsgedanken verteilt, und dabei unter Umständen Menschen zurückbleiben, die tatsächlich eine Impfung dringend brauchen, um sie vor schwerer Erkrankung zu schützen."

Foto: Impfzentrum (über dts Nachrichtenagentur)