Erfurt - Das Landesamt für Verfassungsschutz in Thüringen verzichtet vorerst auf eine Einstufung der "Querdenken"-Bewegung als extremistische Bestrebung. "Die Protestbewegung ist auch in Thüringen insgesamt sehr heterogen", sagte dessen Präsident Stephan Kramer dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Mittwochausgaben).

"Kleinere Veranstaltungen verlaufen in der Regel friedlich, größere teilweise mit erheblichen Störungen." Insbesondere "Querdenken 361" in der Landeshauptstadt Erfurt zeige "bei Anmeldern und Rednern verschiedene tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung", fügte er hinzu. "Wir registrieren auch, dass die als Verdachtsfall eingestufte AfD versucht, bei den Corona-Protesten Anschlussfähigkeit in die Bevölkerung herzustellen." Mit steigenden Infektionszahlen steige das Mobilisierungs- und teilweise Radikalisierungspotenzial. Kramer sagte, dass der Verzicht auf eine Einstufung daher nur vorläufig sei. "Das kann sich auch schnell ändern", sagte er dem RND. Es sei "alles sehr im Fluss". Das Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg hatte "Querdenken 711" zuletzt zum Beobachtungsobjekt erklärt. Kramer hatte derweil gesagt, wenn er alle Erkenntnisse aus Thüringen und anderen Bundesländern betrachte, "dann liegen diese hinreichenden Anhaltspunkte für mich vor, um zumindest zu einem Verdachtsfall zu gelangen".

Foto: Demo von Corona-Skeptikern am 29.08.2020 (über dts Nachrichtenagentur)