Es geht in diesem Beitrag um Neurowissenschaften, in Zusammenhang mit Sex und Pornografie. Ich habe  ihn geschrieben, damit wir uns selbst besser verstehen können.

Zunächst mal ein paar Zahlen.

  • Pornographie im Internet macht insgesamt mehr Umsatz als alle großen Tec-Firmen zusammen (wie Amazon, Netflix, Yahoo, Google usw.). Der Umsatz beträgt etwa 13 Milliarden pro Jahr.
  • 89% aller Pornowebseiten werden in den USA erstellt.
  • Jede Sekunde schauen 30 000 Menschen pornographische Inhalte.
  • Sex ist der meistgesuchteste Begriff im Internet.
  • 25% aller Suchanfragen im Netz stehen mit Pornographie in Zusammenhang.
  • 72% aller User im Netz schauen Pornos (Männer und Frauen zusammen)
  • Die meisten Zugriffe passieren während der Arbeitszeit.
  • Die meisten Konsumenten sind zwischen 12 und 17 Jahre alt
  • Neun von zehn Kindern zwischen 8 und 16 Jahren haben schon Pornos geschaut, meist ungewollt/ungesucht.
  • Das Durchschnittsalter des Ersten Pornokonsums ist 11 Jahre.
  • Pro Tag suchen 68 Millionen Menschen Pornobegriffe im Netz.

Zwischen zwölf und siebzehn Jahren, wenn die Jugendlichen am meisten Pornos schauen, ist das Gehirn noch nicht ausgereift.

Die Kinder bekommen Filme oft von anderen aufgedrängt und schauen am Anfang wegen des Gruppendrucks. Jeder vierzehnjährige Jugendliche hat heutzutage mehr solcher Bilder gesehen als ein Soldat im 16. Jahrhundert.

Und die sahen früher echte Frauen (die nicht immer so aufreizende Posen einnehmen) oder irgendwelche griechischen Vasen mit Bildern drauf, die auch nicht so interessant waren. Sie erzählen erotische Geschichten oder sangen Lieder.

Sie brauchten zusätzlich die Phantasie, um sich zu stimulieren.

Und wenn ein Mann wirklich starken Reizen ausgesetzt war, folgte im allgemeinen danach der Beischlaf. So kennt es das Gehirn.

Aber heute sind die Menschen ständigen wirklich harten brutalen Reizen ausgesetzt, ohne, dass der Beischlaf folgt. Das Gehirn badet ständig in einem riesigen Hormonbecken.

Warum war also das Gehirn nicht auf die Pornographieflut vorbereitet?

  1. Pornografie ist leichter verfügbar als normaler Geschlechtsverkehr.

Das Gehirn ist so angelegt, dass der Mensch (insbesondere der Mann) sehr leicht erregbar ist. Dabei wird das Belohnungszentrum massiv stimuliert und das Gehirn wird beim Sehen von sexuellen Bildern mit Glückshormonen überschüttet.

Kein Wunder, es ist ja vorgesehen, dass wir dann zur Sache kommen und uns fortpflanzen.

Aber: ein Mensch vor der modernen Zeit musste sehr viel tun, um an diese Stimuli zu kommen. Normalerweise musste er Arbeiten, Geld verdienen, heiraten. Er hatte einen Riesenaufwand, um sich diese Bilder zu "verdienen".

Heute kann jeder mit Internetanschluss oder einem Handy mit ein paar Klicks solche Bilder sehen.

2. Das männliche Gehirn wird durch das Vorhandensein von vielen verschiedenen Frauen stärker stimuliert.

Es gibt Studien mit Ratten, in denen den Tieren immer wieder kopulierende Artgenossen gezeigt werden. Wenn man ihnen verschiedene Rattenweibchen zeigte und nicht immer dasselbe, war ihr sexueller Stimulus sehr viel höher. Sie produzierten viel mehr Hormone.

Wir (aber noch mehr die Männer) haben einen Trieb, der nun mal tief in uns angelegt ist: Starke Erregung durch möglichst viele verschiedene Sexualpartner.

Die Pornographie im Internet gaukelt dem Gehirn genau das vor. Tausende wunderschöner Frauen, alle durcheinander geklickt. Das geht schon mit Instagram-Models los.

Das Ganze ist wirklich ein heftiger Beziehungskiller, weil dem Gehirn sozusagen kommuniziert wird, dass ein Harem vorhanden ist.

Pornographie ist genau deshalb so verführerisch.

Wir sind dort, aus evolutionären Gründen sehr empfindlich, weil unser Gehirn noch nicht an die neue Situation angepasst ist.

Deshalb verhalten sich Pornosüchtige so:

Sie haben viele Tabs gleichzeitig offen, sagen wir zwanzig Stück und klicken sich wild durch die Videos. Sie suchen ständig nach einem neuen Stimulus.

Süchtige haben nicht unbedingt Filme, die sie speichern. Sie suchen immer neue Filme.

3. Durch Pornographie entstehen Reize und Fetische, die durch normalen Geschlechtsverkehr nicht entstehen könnten.

Da Pornographie uns stark verzerrte Körper anbietet, die in der Realität selten zu finden sind, entstehen Stimuli, die das normale Leben nicht bieten kann.

Erotische Anime-Filme treiben das auf die Spitze.

Das führt dazu, dass Menschen, die sich lange genug in dieser Spirale bewegen, durch normale nackte Frauen nicht mehr ausreichend stimulierbar sind.

Sie bekommen Erektionsprobleme.

Sie riskieren, nie wieder ein normales Sexualleben führen zu können.

Das menschliche Gehirn ist nicht statisch, sondern es ist ein biochemischer Prozess, der sich ununterbrochen an die Umgebung anzupassen versucht.

Die Anpassung ist wichtig und nützlich, aber sie erzeugt auch Süchte. Das kannst du am Kaffeekonsum feststellen. Beim ersten Mal bekamst du vielleicht Herzrasen. Nach einem Jahr kannst du drei Tassen hintereinander trinken. Und von einer Tasse wirst du nicht mal wach.

Du brauchst das Zeug, um überhaupt normal zu funktionieren.

Irgendwann ist der Kaffee wie eines deiner Körperorgane.

Und wenn es nicht um Kaffee geht, sondern um Porno, wird das schlimm. Du musst dauernd noch etwas finden, das noch etwas härter oder ausgefallener ist, um überhaupt noch etwas zu merken.

Das kann sich darin äußern, dass du dann Inzest oder Vergewaltigungen sehen willst und immer absurdere Fetische.

So kann es passieren, dass harmlose, nette, gepflegte junge Männer sich die krassesten, ekelhaftesten Inhalte anschauen.

Sie sind ihnen ausgeliefert und schaffen es nicht heraus. Der Superstimulus hat sie hier hineingeführt. Sie sind nur noch durch immer heftigere Bilder überhaupt noch stimulierbar.

Meist funktioniert das über das Brechen von Tabus. Irgendwann sind aber keine Tabus mehr da. Sodomie und Inzest sind ausgeschöpft. Bleibt irgendwann nur noch der strafrechtliche Bereich.

Pornosucht hat große Auswirkungen auf das Leben:

  • 40% verlieren ihre Partnerin
  • 1/3 verlieren ihren Job
  • 58% bekommen große finanzielle Schwierigkeiten.

Pornokonsum hat die eheliche Untreue um 300% erhöht.

Psychische Auswirkungen sind:

  • Depressionen
  • soziale Isolation
  • Gehirnnebel
  • Scham- und Schuldgefühle
  • gefühlt niedriger Selbstwert

Andere, auch erstaunliche Auswirkungen:

Menschen, die regelmäßig Pornos konsumieren

  • akzeptieren genderbasierte Diskriminierung weniger
  • unterstützen Frauen mehr
  • werden eher Anhänger von sexueller Diversität
  • denken egalitärer.

Aber das ist ein anderes Thema, denn hier wird es sehr komplex.


Man kann aus der Sucht auch wieder ausbrechen.

So, wie wenn du eine Zeit lang keinen Kaffee trinkst. Du kannst dann wieder auf einen Bereich zurückkommen, in dem du eine Tasse davon spürst.

Deshalb gibt es jetzt Bewegungen wie NOFAP, bei denen junge Menschen Masturbation fasten, um aus ihrer Abhängigkeit auszubrechen.

Und sie werden von der älteren Generation als prüde bezeichnet, weil die älteren nicht wissen, wie es ist, schon als Kind mit Pornos aufzuwachsen.

Sie hatten kein Smartphone und kein Internet. Sie hatten, wenn's hochkam, einen Playboy zur Hand. Ständige Verfügbarkeit kannten sie nicht.

Die Älteren haben echt keine Ahnung.

Sie konnten eine andere Gehirnprägung entwickeln und können (fast alle) besser und anders mit der heutigen Situation umgehen.

Dazu gibt es Studien. Das Gehirn reagiert nicht so stark auf Pornos wie die Gehirne der jüngeren Generation.

Jüngere Menschen können sich der Situation kaum entziehen. Wer in der Klasse nicht mit schaut, ist peinlich oder schwul.

So ist es doch.

Deshalb können wir den jüngeren auch nicht unbedingt helfen. Sie müssen ihre eigenen Strategien finden, um sich evolutionär anzupassen.

Der erste Schritt dazu kann sein, das Wissen, das ihnen helfen kann, zu erwerben.

Versuche von Feministinnen, gegen Pornographie zu kämpfen, werden nichts ändern, denn sie haben gar nicht verstanden, worum es geht.

Süchtigen haben sowieso schon ein schlechtes Gewissen. Das hilft gar nichts.

Sie verachten auch keine Frauen.

Sie wissen schlicht nicht, was unser nächster Evolutionsschritt ist.

Epilog.

Ich bin nicht gegen Pornofilme.

Ich schaue selber welche.

Aber sie sollten niemandes Leben bestimmen.


Porn addiction - what is it?

Videos & Articles

Internet Pornografie - Zahlen, Statistiken, Fakten

Pornografie im Internet – Wikipedia

Grafik von John B. Root/www.explicite-art.com, CC BY-SA 4.0, File:Tournage Des filles libres crop.jpg

Dir gefällt, was Luise Schulz schreibt?

Dann unterstütze Luise Schulz jetzt direkt: