Frankfurt/Main - Europäische Großbanken werden nach Einschätzung der Bundesbank von den beschlossenen Dividendenbeschränkungen für das Jahr 2021 profitieren. "Durch den gewählten vorsichtigen Ansatz wird die aktuell solide Kapitalposition des europäischen Bankensektors weiter gestärkt, um die europäischen Banken in die Lage zu versetzen, die erwarteten Kreditausfälle aus der Covid-19-Pandemie zu verkraften", sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling dem "Handelsblatt" (Donnerstagausgabe).

Die Kritik von Banklobbyisten, europäische Geldhäuser würden wegen der Beschränkungen im internationalen Wettbewerb um Investoren zurückfallen, wies Wuermeling zurück. "Im Gegenteil: Europäische Banken werden so robuster aus der Krise kommen", sagte der Bundesbank-Vorstand. Außerdem gelte: "Solange keine außergewöhnliche Verschlechterung der Lage eintritt, werden ab September 2021 wieder Ausschüttungen und Boni im üblichen Maße möglich sein. Insbesondere für Investoren ist die Langfristperspektive entscheidend."

Die Europäische Zentralbank hatte am Dienstagabend beschlossen, den geltenden Dividendenstopp für europäische Großbanken ab dem kommenden Jahr etwas zu lockern. Die ausgeschüttete Summe darf jedoch weder 15 Prozent der kumulierten Gewinne aus den Jahren 2019 und 2020 überschreiten noch 0,2 Prozentpunkte des harten Kernkapitals der Bank. In Großbritannien und den USA gelten weniger strenge Auflagen für Finanzinstitute.

Foto: Deutsche Bundesbank (über dts Nachrichtenagentur)