Berlin - Trotz der anhaltend schweren Kämpfe in Afghanistan geht der Bundeswehrverband nicht davon aus, dass sich der bis Herbst geplante Abzug der deutschen Soldaten verzögert. "Das ist nicht möglich", sagte der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, André Wüstner, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Montagsausgaben).

"Die USA geben den Takt vor. Die NATO hat entschieden. Daran sind wir gebunden." Es handele sich um eine "schwierige und gefährliche Situation" für die Bundeswehr.

Neben Logistik und Schutz sei die internationale Abstimmung elementar. Erschwert werde die Lage dadurch, dass sich die Politik nicht auf das Ende des Einsatzes vorbereitet habe. "Für viele Militärs war bereits Ende 2019 absehbar, dass sich dieser Einsatz schnell dem Ende nähert. In Deutschland wollte man das lange nicht wahrhaben. Jetzt geht es schnell, das macht Übergänge schwierig", so Wüstner.

"Die Bundeswehr war zwar vorbereitet, aber politisch wurde man mehr oder weniger kalt erwischt. Nun habe das Auswärtige Amt einiges damit zu tun, um das zivile Folgeengagement bestmöglich international mitabzustimmen." Die Bundeswehr-Soldaten gingen professionell mit dem Abzug um, sagte Wüstner.

Frust sei nicht zu bemerken. "Man merkt den Kulturwandel hin zu einer Einsatzarmee. Natürlich ist es schwer, Hinterbliebenen zu erklären, was der Sinn ihres Verlusts ist. Aber man hat in Afghanistan einer ganzen Generation ein besseres Leben verschafft. Damit ist eine Grundlage dafür gelegt, dass es nicht mehr so werden muss, wie vor 2001."

Foto: Bundeswehr-Soldat (über dts Nachrichtenagentur)

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