Berlin - Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, warnt vor einer sich immer weiter verschlechternden Lage in den deutschen Krankenhäusern. Sich um 20 bis 30 Patienten zu kümmern, die beatmet und "dauernd auf den Bauch gedreht" werden müssen und die an Atmungsunterstützungssystemen wie Herz-Lungen-Maschinen hängen, sei "enorm körperlich anstrengend", sagte er der RTL/n-tv-Redaktion.

Hinzu komme, was die Situation mit den Pflegenden und Ärzten mache: "Das ist auch eine psychische Belastung, das darf nicht vergessen werden. Das hat nichts mit Panikmache zu tun, das ist einfach die Realität." Besonders "tragische Entscheidungssituationen" entstünden, wenn nicht genügend Geräte und Personal vorhanden seien, man also entscheiden müsse, wer beatmet wird und wer nicht. "Das sind natürlich katastrophal schwierige Entscheidungen, die können Sie nicht alleine treffen, die müssen gut vorbereitet sein."

Es gebe ein ganz klares Kriterium - das der Erfolgsaussicht. "Die nimmt klar in den Fokus, wie die Überlebenswahrscheinlichkeit von dem betroffenen Patienten ist. Da gibt es einen großen Fächer an Beurteilungen." Man blicke nicht auf Einzelkriterien wie Behinderung, Alter oder sozialer Status.

Dass es überhaupt zu der angespannten Situation in Deutschlands Krankenhäusern gekommen ist, sei das Ergebnis falscher politischer Entscheidungen. "Ich finde es schlimm, dass erst die Zahl von 500 bis 600 Todesfällen dazu geführt hat, dass man dann doch die Reißleine gezogen hat. Ich finde, die Todesfälle sollten nicht dazu führen, dass man endlich anders denkt. Man muss strategisch im Vorhinein denken", so Janssens.

Foto: Krankenhausflur (über dts Nachrichtenagentur)