München - Ifo-Forscherin Larissa Zierow erwartet als Folge der Corona-Lockdowns "deutliche Rückschläge" auch für Kita-Kinder. "Die Schere in der Entwicklung zwischen gut geförderten und benachteiligten wird auf jeden Fall weiter aufgehen", sagte sie dem "Handelsblatt" (Freitagsausgabe).

Und das betreffe mitnichten nur eine kleine Randgruppe. "Wir können davon ausgehen, dass mehr als ein Drittel aller Kinder benachteiligt sind und merklich darunter leiden, wenn die Kita geschlossen ist." Ein Fünftel der Kinder spreche beispielsweise zu Hause kein Deutsch. "Dazu kommen Kinder, deren Eltern sie schlicht nicht fördern oder gar massiv behindern – sei es aus Gründen der Armut, fehlender Bildung, oder psychischer Probleme."

In Norwegen, wo die Kitas schon in den 70er-Jahren ausgebaut wurden, "konnten Forscher zeigen, dass ein Kitabesuch ab dem dritten Lebensjahr die Wahrscheinlichkeit eines Hochschulbesuches um sieben Prozent steigert und zugleich die Gefahr eines Schulabbruchs und eines späteren Sozialhilfebezugs in ähnlichem Umfang sinkt." Wie viel der Kitabesuch kompensieren kann, habe auch der spätere Nobelpreisträger James Heckman in den USA Jahren am Beispiel einer sehr guten Kita für meist schwarze, sozial benachteiligte Drei- und Vierjährige gezeigt: Im Alter von 27 hatten 71 Prozent einen Highschool-Abschluss, in der Kontrollgruppe ohne Kita waren es nur gut die Hälfte. 29 Prozent verdienten mehr als 2.000 US-Dollar im Monat, ein gutes Drittel besaß ein Haus. Bei den anderen schafften das nur sieben beziehungsweise 13 Prozent.

Foto: Kita (über dts Nachrichtenagentur)