Berlin - Die geplante Verlängerung des Lockdowns wird nach Ansicht mehrerer Ölonomen die wirtschaftliche Erholung verzögern. Ob Deutschland erneut in eine Rezession rutsche, hänge stark davon ab, ob die bislang intakte Erholung des Industriesektors weitergehe, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe).

"Eine längere Schließung großer Teile des Einzelhandels wird sich irgendwann auch auf die Nachfrage nach Industriegütern auswirken", sagte der Ökonom. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat wegen der Härte der zweiten Infektionswelle seine Wachstumsprognose bereits von 5,2 Prozent auf 3,5 Prozent gekürzt. Für DIW-Präsident Marcel Fratzscher befindet sich die deutsche Wirtschaft bereits in einer erneuten Rezession: "Nach einem schrumpfenden vierten Quartal erwarten wir einen wirtschaftlichen Einbruch von mehr als zwei Prozent jetzt im ersten Quartal 2021", sagte Fratzscher dem "Handelsblatt". Die Hoffnung eines wirtschaftlichen Neustarts liege dann auf dem zweiten Quartal.

Dies werde aber nur dann gelingen, wenn die Infektionswelle bis Februar abebbe und die Einschränkungen dann zum größten Teil aufgehoben werden könnten. "Wenn dies nicht gelingt, dann könnte die Wirtschaft in Deutschland noch länger leiden und die Gefahr von Unternehmensinsolvenzen und Arbeitslosigkeit deutlich zunehmen", warnt Fratzscher. Auch Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), sieht die deutsche Volkswirtschaft "technisch gesehen" bereits in einer Rezession, allerdings in einer leichten: Solange die Industrieproduktion und das Baugewerbe sich weiter positiv entwickelten, werde der Einbruch nicht annähernd an jenen vom Frühjahr 2020 heranreichen, sagte er dem "Handelsblatt". Für den weiteren Jahresverlauf rechne das IfW noch mit einem positiven Wirtschaftswachstum – "bei weiterhin enormer Unsicherheit".

So falle es bei den aktuell noch sehr hohen Infektionszahlen in vielen Regionen Deutschlands schwer, an umfangreiche Lockerungen im Februar zu glauben. "Bestenfalls ist mit teilweisen Lockerungen, beispielsweise im Einzelhandel, zu rechnen."

Foto: Werbung für die AHA-Regeln (über dts Nachrichtenagentur)