Berlin - Patientenschützer warnen davor, dass Hausärzte Sprechstunden ausfallen lassen, weil sie wegen hoher Honorare lieber Corona-Impfungen verabreichen. "Für Kassenärzte ist der Einsatz im Impfzentrum schnell verdientes Geld", sagt Eugen Brysch, Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz, dem "Spiegel".

Ein "so lukratives Geschäft" dürfe aber "nie auf Kosten des vertraglichen Sicherstellungsauftrags" gehen. Jeder Kassenarzt sei verpflichtet, 25 Sprechstunden pro Woche abzuhalten. Ob Impfärzte "tatsächlich zulasten der regulären ambulanten Versorgung arbeiten", müssten die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) kontrollieren. Bisher hätten sie aber "kein erkennbares Interesse" daran.

Einer "Spiegel"-Umfrage zufolge variieren die Vergütungen je nach Bundesland. In Schleswig-Holstein erhält ein Impfarzt in der Regel 115 Euro pro Stunde, in Baden-Württemberg 130 Euro, in Rheinland-Pfalz 140 Euro. Noch höher ist der Stundensatz in Niedersachsen (150 Euro) und Thüringen (175 Euro). Mehrere Länder, darunter Nordrhein-Westfalen und Brandenburg, geben an, das Honorar sei auch als Anreiz für Hausärzte zu verstehen, die eigene Praxis vorübergehend zu schließen.

Monika Schliffke, Chefin der KV Schleswig-Holstein, sagte über die Lage in dem Bundesland, man habe keine Kenntnis davon, dass Ärzte Sprechstunden ausfallen ließen. "Es gibt keine Einschränkungen bei der Regelversorgung." In einer Beispielrechnung des Roten Kreuzes (DRK) in Hessen heißt es, ein Arzt, der von der Uni komme und in Vollzeit impfe, bekomme - bei einem Stundensatz von 120 Euro - pro Monat 19.200 Euro brutto. Das DRK, das Verträge mit Impfärzten abschließt, hält den Satz für zu hoch.

Die Ärztekammer aber fordert vom Land, dass Mediziner den vollen Betrag erhalten.

Foto: Impfzentrum (über dts Nachrichtenagentur)