Duisburg/ Essen - Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte rät den Grünen, keinen Kanzlerkandidaten zu nominieren. Die Grünen sollten "auf den Faktor Neugierde" setzen und die Kanzlerkandidatur offen lassen, sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit".

Und weiter: "Eine Partei, die so viele neue Formate geprägt hat, vom Rotationssystem bis zur Doppelspitze und immer damit Werbung macht, als Bündnispartei hybrid auch Stimmungen und Strömungen und Orientierungen mit aufzusaugen und anzubinden - warum müssen sie über das Stöckchen springen und unbedingt einen anbieten. Warum nicht ein Tandem", so Korte. Das wäre "mal etwas Originelles" und jeder der Wähler habe "mit Sicherheit Vertrauen, dass, wenn die Stunde kommt und gewählt ist, beide auch klug eine Entscheidung fällen, wer was dann macht". Vieles an der Langeweile in der Betrachtung der SPD hänge auch damit zusammen, "dass sie alles schon entschieden haben".

Korte bezieht sich damit auf die Aufstellung des Kanzlerkandidaten Olaf Scholz sowie die Präsentation des Programms. Den Titel des Kanzlerkandidaten verliehen zu bekommen sei in der Geschichte der Republik immer eine besondere Ehre gewesen, es sei aber auch der "Titel, der am wenigsten Erfolg hatte". Nur einmal sei bei einer ordentlichen Wahl mit Gerhard Schröder ein Kanzlerkandidat auch wirklich Kanzler geworden. Zum traditionellen TV-Duell der Kanzlerkandidaten sagte Korte: "Es wird ein Triell geben."

Wenn die Grünen einen der beiden Bundesvorsitzenden entsenden würden, könnten sie in der sogenannten Elefantenrunde den oder die andere schicken. Die Entscheidung könne per Los fallen, ohne dass in der öffentlichen Wahrnehmung damit ein Präjudiz für die Nummer-Eins-Position verbunden sein müsste, falls die Grünen als stärkste Partei aus der Wahl hervorgingen.

Foto: Annalena Baerbock und Robert Habeck (über dts Nachrichtenagentur)