Moskau - Das Pussy-Riot-Mitglied Marija Aljochina hat das Strafverfahren gegen sich und andere Aktivisten scharf kritisiert. "Das ist der Versuch, uns mundtot zu machen und zu blockieren", sagte Aljochina dem "Spiegel".

Sie steht seit Monaten unter Hausarrest. Die Coronapandemie werde dazu benutzt, Oppositionelle zum Schweigen zu bringen. "Die sogenannten Hygiene-Ermittlungen gegen mich und andere waren von Anfang an völlig absurd", so Aljochina. Wenn es die Pandemie nicht gäbe, hätte man eben einen anderen Paragrafen gefunden.

Aljochina wollte im Januar für die Freilassung des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny protestieren. Ihr drohen nun bis zu zwei Jahren Haft. Die Ermittlungsbehörden werfen ihr vor, die Gesundheit der Moskauer gefährdet zu haben. Sie weist das zurück, wirft der russischen Führung "Heuchelei" vor.

Das habe allein der Auftritt von Kremlchef Wladimir Putin in einem Moskauer Stadion am Donnerstag gezeigt. Vor Zehntausenden dicht gedrängten Zuschauern feierte Putin den Jahrestag des "Anschlusses" der Krim, die wenigsten Menschen trugen Masken. Aljochina trägt eine elektronische Fußfessel, darf ihre Wohnung nicht einmal für einen Spaziergang verlassen. "Im Hausarrest wird deine eigene Wohnung zum Gefängnis."

Die Aktivistin darf nicht mit anderen reden, auch das Internet nicht benutzen, will sich aber "nicht selbst Gefängnis und Selbstzensur auferlegen", sagte sie dem "Spiegel".

Foto: Marija Wladimirowna Aljochina (über dts Nachrichtenagentur)

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