Ende der 60er Jahre, kurz vor dem 20. Jahrestag der DDR.

 Gebäude des Rias Berlin

Die Jugendlichen in der DDR sind der Beatmusik genauso verfallen wie die im Westen.

Kult ist für sie die Sendung Treffpunkt im Sender RIAS Berlin. Der Moderator ist Kai Blömer.

Und eben dieser Blömer erlaubt sich zu dieser Zeit einen Jux. Er behauptet im Radio, dass die Rolling Stones auf dem Dach des Springerhochhauses spielen würden. Und zwar am Tag des 20. Jubiläums.

Auf dem Bild siehst du, dass man das vom Osten aus hätte sehen und besonders hören können:

Grafik 3. ) Springer-Hochhaus, vom Osten aus gesehen.

Sofort kam der "Buschfunk" in Gang. Die Gammler (Ausdruck damals für Beatfans mit langen Haaren) flüsterten es sich gegenseitig zu.

Alle Dementis des Radiosenders verhallten ungehört.

Für die DDR war das eine Provokation.

Man versuchte,  den westlichen Einfluss auf die Jugendlichen aufzuhalten, zum Beispiel mit Hilfe der Singebewegung. Sie soll die Jugendlichen an den Staat binden.

Singebewegung DDR

Für die DDR-Oberen sind die Stones Sinnbild der westlichen Dekadenz. Auf ihren Konzert wird teilweise stark randaliert.

Mädchen , die sich entsprechend zurechtmachen, werden Stones-Käthe genannt. Haare lang und glatt, überlanger Pony.

Ein Stoneskonzert ganz nah an der Berliner Mauer ist das Schreckensszenario für die Stasi.

Niemand weiß Genaues. Aber man ergreift Gegenmaßnahmen.

Schulen in der Nähe des Springerhauses werden für die Schüler gesperrt.

Verdächtige Jugendliche werden abgefangen und nach Hause geschickt.

Aber viele Jugendliche gelangen ins Zentrum von Ost-Berlin. Sie wollen die Stones sehen und hören.

Da das Gewimmel der Jugendlichen nah an der Grenze stattfindet, verliert die Volkspolizei die Nerven und geht mit Hunden und Schlagstöcken auf die Beatfans los.

 Volkspolizei

Die U-Bahn wird gesperrt. Die Jugendlichen schreien: Wir wollen Freiheit! Wir wollen Stones. Aber Truppen der FDJ drängten sie in Nebenstraßen.

Im Abschlussbericht der Stasi heißt es jedoch: "Unter Hochrufen auf unsere Republik und die Partei der Arbeiterklasse waren sie bald Herr der Lage.“

Über 400 Jugendliche wurden festgenommen und zum Revier gebracht. Dort wurde sie verhört, geprügelt und angebrüllt. Danach wurden sie laufengelassen.

Die inszenierte Harmonie des Jahrestages war allerdings gründlich verdorben. Normalerweise sollten die Jugendlichen so aussehen und wurden für den Jahrestag so auf Plakaten gezeigt:

FDJ

Die vielen Jugendlichen in westlicher Kleidung, mit langen Haaren, die westliche Musik hören wollten, waren eine Ohrfeige für die SED an diesem Tag.

Und das für ein Konzert, das niemals stattfand.

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Studio 89

Gefängnis statt Rolling Stones

Ein Gerücht und seine Folgen

Grafiken:

  1. Von Avda - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, File:Gebäude des RIAS und Deutschlandradio Kultur in Berlin Schöneberg 2012.jpg
  2. File:Fotothek df n-06 0000342.jpg
  3. Von Leon petrosyan - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, File:Berlin wall-2.jpg
  4. Von Bundesarchiv, Bild 183-62162-0006 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, File:Bundesarchiv Bild 183-62162-0006, Fahrzeugkontrolle durch Volkspolizist und Helfer.jpg
  5. Von Bundesarchiv, Bild 183-62162-0006 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, File:Bundesarchiv Bild 183-62162-0006, Fahrzeugkontrolle durch Volkspolizist und Helfer.jpg

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