Gießen - Nach Ansicht der Kriminologin Britta Bannenberg haben Polizei und Gesellschaft aus dem Amoklauf von Erfurt vor 20 Jahren "weitgehend" die richtigen Schlussfolgerungen gezogen. "Bei dieser Art von Tötungsdelikten handelt es sich um ein sehr seltenes Phänomen und das macht es noch schwieriger, sich zu fragen, wie man solche Taten verhindern kann", sagte die Wissenschaftlerin von der Universität Gießen am Dienstag dem Hörfunksender WDR 5. Es habe zunächst auf der sogenannten Lage-Ebene der Polizei Veränderungen gegeben und das stehe mit Erfurt im Zusammenhang.

Heute sei die Polizei mit der Schutzpolizei bei ähnlichen Gefahrenlagen in wenigen Minuten vor Ort. Auch gesellschaftlich habe sich eine "gewisse Aufmerksamkeit und Sensibilität" für die Signale, die solche Täter monatelang schon aussenden, entwickelt. Daraus resultiere die Bereitschaft, die Polizei früher einzuschalten oder an den Schulen aktiv zu sein, um möglicherweise bedrohliche Personen daran zu hindern, sagte Bannenberg. Dabei sei eine konkrete Androhung einer Amoktat meist ungefährlich.

"Problematischer ist es, wenn eine Person häufiger ohne konkreten Anlass Andeutungen macht." Das müsse man in der konkreten Situation abklären oder mit der Person, die das äußere. Wenn davon die Rede sei, mit bestimmten Schusswaffen zu agieren, könne man auch die Polizei einschalten, so die Wissenschaftlerin.

Foto: Ü-Wagen vor dem Gutenberg-Gymnasium in Erfurt 2002 (über dts Nachrichtenagentur)

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